Die gefährlichen Schätze der Ostsee

Militärtaucher in der Ostsee

Die Ostsee, einst eine strategisch wichtige Region für das Russische Reich und die Sowjetunion, birgt noch immer Tausende gefährlicher Relikte des Ersten und Zweiten Weltkriegs – Seeminen. Diese „Schätze“ stellen eine ständige Bedrohung für die Schifffahrt, die Umwelt und die Sicherheit der Menschen dar. Aus diesem Grund führt die 1. Minenabwehrgruppe der NATO regelmäßig internationale Übungen durch, um diese explosiven Objekte aufzuspüren und zu neutralisieren und gleichzeitig kritische Unterwasserinfrastruktur zu schützen.


Historisches Erbe in der Ostsee

Die Minen auf dem Grund der Ostsee befinden sich hauptsächlich in Smiltė in einer Tiefe von etwa 20 Metern. Obwohl sie sich nicht bewegen, besteht weiterhin eine große Gefahr. Verschiedene Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, doch es ist klar, dass sich noch immer Tausende von Minen in der Ostsee befinden. Die meisten wurden an strategischen Orten gefunden, beispielsweise am Ostseeeingang zwischen Dänemark und Norwegen, in der Irbestraße vor der Küste Lettlands und im Finnischen Meerbusen. Besonders hoch ist die Minendichte im Finnischen Meerbusen, der während des Zweiten Weltkriegs die Route nach St. Petersburg war, wo die sowjetische Ostseeflotte stationiert war. Die Minenräumung ist ein fortlaufender Prozess zur Reduzierung der Bedrohung.


Internationale Zusammenarbeit bei der Minenbekämpfung

Die Säuberung der Ostsee ist eine internationale Aufgabe. Das Video gibt Einblick in die Arbeit litauischer Marinetaucher und finnischer Marinespezialisten vor der Küste Lettlands, die Minen aufspüren und neutralisieren. Bis Dezember führt das lettische Marineschiff „Virsaitis“ die erste NATO-Minenabwehrgruppe an. Die Zusammenarbeit der beteiligten Länder verläuft reibungslos und effizient, und die Kommandozentralen leisten hervorragende Arbeit bei der Gewährleistung der Schifffahrtssicherheit.


Minensuchverfahren und -technologien

Die Minenräumung beginnt mit sorgfältiger Planung, bei der die Anzahl der benötigten Taucher und der einzusetzenden unbemannten Luftfahrzeuge (UAVs) festgelegt wird. Verdächtige Gebiete werden anschließend mit Sonar abgesucht. Dabei kommen autonome Unterwasserfahrzeuge (AUVs) zum Einsatz, die keine Drohnen, sondern unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) sind und die Umgebung mit Seitensichtsonaren abtasten. Diese hochentwickelten Geräte können einen wesentlich größeren Bereich des Meeresbodens erfassen als ein Taucher. Nach dem Absetzen des Sonars werden die Daten analysiert, um potenziell gefährliche Objekte zu identifizieren.


Die Rolle der Taucher und der Einsatz von Sprengstoffen

Sobald das Sonar ein verdächtiges Objekt erfasst hat, beginnen die Taucher, die in der Regel zu zweit arbeiten, mit ihrer Arbeit. Ihre Aufgabe ist es, die Minen visuell zu identifizieren, zu lokalisieren und ihre Position zu dokumentieren. Unter Wasser befinden sich viele verschiedene Objekte – von Kanonenrohren und ungewöhnlich geformten Felsen bis hin zu Schiffswracks und Bruchstücken von Minengewichten. Die wertvollsten Funde sind jedoch nach wie vor die Minen. Wird eine Mine gefunden, werden die Vorbereitung des Sprengstoffs und die eigentliche Detonation geplant. Finnische Spezialisten bestücken die Mine mit einem ferngesteuerten gelben Roboter, wodurch die Detonation aus sicherer Entfernung erfolgen kann.


Verschiedene Funde auf dem Meeresgrund

Obwohl die Minenräumung die Hauptaufgabe ist, birgt der Meeresboden auch andere Objekte. So wurden beispielsweise während einer 48-stündigen Sonarmission sechs Minen sowie etwa 90 der zum Auslegen der Minen verwendeten Gewichte entdeckt, die selbst nicht explosiv sind. Auch verschiedene interessante Steine, Kisten und Gegenstände von Schiffen werden untersucht. Jeder verdächtige Gegenstand, der einer Mine ähnelt, muss untersucht werden, auch wenn Experten nicht verheimlichen, dass das Auffinden minenähnlicher Steine nicht so erfreulich ist wie die Entdeckung einer echten Mine.


Schutz kritischer Infrastrukturen

Neben der Minensuche und -beseitigung beauftragt das NATO-Marinekommando die Schiffe mit der Baltic Watch-Mission. Diese Mission umfasst den Schutz kritischer Infrastrukturen auf dem Meeresgrund der Ostsee, wie beispielsweise Seekabel. Jedes NATO-Kriegsschiff hat das Recht, verdächtige Schiffe in der Nähe dieser Objekte oder bei verdächtigen Manövern zu inspizieren. Die Besatzung der „Virsaitis“ hatte bisher keine Fälle, in denen ein Schiff die Zusammenarbeit verweigerte.


Schattenflottenüberwachung und Risiken

Die NATO überwacht auch Schiffe der sogenannten „Schattenflotte“ – Schiffe, die mit Sanktionen in Verbindung stehen oder in verdächtige Aktivitäten verwickelt sind. Die Überprüfungen umfassen in der Regel das Befragen der Schiffsbesatzung per Funk, um sicherzustellen, dass die Angaben mit den gespeicherten Informationen übereinstimmen.

Verdächtige Schiffe, die kritische Infrastrukturen passieren oder plötzlich anhalten, werden besonders überwacht. Einer der aufsehenerregendsten Vorfälle ereignete sich, als die estnische Marine versuchte, den unter gabunischer Flagge fahrenden russischen Öltanker „Jaguar“ in der Nähe des Estlink-Kabels zwischen Estland und Finnland zu inspizieren. Als Reaktion auf die estnische Militärpräsenz entsandte Russland SU-35-Kampfjets und verdeutlichte damit die Spannungen in der Region.


Abschluss

Die neue Realität in der Ostsee erfordert einen zweigleisigen Ansatz zur Gewährleistung der Sicherheit. Während ein Teil des Teams mithilfe moderner Technologie und Taucherarbeit das Meer von den Folgen des Krieges – Minen – befreit, überwacht der andere Teil im Rahmen der Baltic Watch den Schiffsverkehr und versucht, Schäden an kritischer Unterwasserinfrastruktur zu verhindern. Diese professionelle Arbeit sichert die Schifffahrtssicherheit sowie die zukünftige Sauberkeit und Stabilität der Ostsee.

Technologien zur Minensuche: Sonargeräte und autonome Unterwasserfahrzeuge

Die Suche und Neutralisierung von Minen in den Weiten der Ostsee wäre ohne moderne autonome Systeme und Sonartechnologien, die in der Lage sind, den Meeresboden über ein viel größeres Gebiet abzusuchen als Taucher, nicht möglich.

Obwohl im Video keine spezifischen Hersteller und Modellnamen genannt werden, wurden die Arten und Funktionen der verwendeten Geräte detailliert beschrieben:

1. Sonarsysteme:

  • Sonargeräte: Wird allgemein als primäres Mittel zur Abtastung der Umgebung und zur Identifizierung von Objekten, bei denen es sich um Minen handeln könnte, genannt.
  • Seitensichtsonar: Es wird sowohl im Rahmen autonomer Fahrzeuge (im Fall des litauischen Teams) als auch beim Schleppen hinter einem Schiff (im Fall des finnischen Teams) eingesetzt, um das Gebiet zu kartieren und ein dreidimensionales Bild von dem zu erhalten, was sich unter dem Schiff befindet.

2. Autonome und unbemannte Fahrzeuge (AUV/ROV):

  • Autonomes Unterwasserfahrzeug / Unbemanntes Luftfahrzeug: Es dient der Überwachung verdächtiger Gebiete. Litauische Spezialisten nutzen es für die Durchführung einer Mission, anschließend werden die Daten zur Analyse in das System eingegeben. Es handelt sich nicht um eine Drohne, sondern um ein Gerät, das auf zuvor eingegebenen Daten basiert.
  • Oranger Roboter (Autonomes Gerät): Ein autonomes Gerät der finnischen Marine, das eine Aufgabe erhält und diese selbstständig unter Wasser ausführt. Die gewonnenen Daten werden verarbeitet und in verschiedene Systeme integriert.
  • Gelber Roboter (Fernsteuerungssystem): Dieser Roboter dient der Identifizierung potenziell gefährlicher Objekte und ist für die Minenräumung unerlässlich. Im Gegensatz zu ihren litauischen Kollegen nutzen finnische Spezialisten dieses ferngesteuerte Gerät, um Sprengstoff an der Mine anzubringen und zu zünden und so ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten.