Geisternetze in der Ostsee

Geisternetze in der Ostsee

Netze sind die stillen Killer des Ozeans

Die Ostsee ist unser Schatz, doch in ihren Tiefen liegt ein unsichtbares und tödliches Erbe. „Geisternetze“ Verlorene oder zurückgelassene Fischereigeräte „fischen“ noch Jahrzehnte, nachdem sie zuletzt von Menschen berührt wurden. Dieser Artikel verdeutlicht das Ausmaß des Problems und zeigt, wie wir – Taucher und die Öffentlichkeit – unsere Meere säubern können.


Was sind Geisternetzwerke und wie entstehen sie?

Geisternetze sind nicht einfach nur Müll; sie sind sich selbst erhaltende Fallen. Meistens gelangen sie bei Stürmen ins Meer, verfangen sich an Schiffswracks oder Felsen oder werden aufgrund von Beschädigungen absichtlich zurückgelassen. Moderne synthetische Materialien (Nylon, Polyethylen) zersetzen sich in der Umwelt erst nach Hunderten von Jahren. Sobald sie den Meeresboden erreichen, setzen sie ihren zerstörerischen Kreislauf fort und locken Fische, Robben und Seevögel an, die sie töten.

Besonderheiten der Ostsee

Die Ostsee ist flach, geschlossen und voller tausender Schiffswracks. Diese Wracks ziehen Netze magisch an. Der geringe Wasseraustausch und die niedrigen Temperaturen führen dazu, dass die Netze sich nicht zersetzen, sondern mit Sediment bedeckt werden und Teil einer giftigen Umwelt werden. Hinzu kommt, dass die Ostsee zu den am stärksten befischten Meeren der Welt zählt, was die Menge an verlorenem Fanggerät zusätzlich erhöht.

Rolle der Taucher – mit Scheren und Hebesäcken

Taucher sind die erste Verteidigungslinie. Das Heben von Netzen ist eine körperlich anstrengende und gefährliche Arbeit, die eine spezielle Ausbildung erfordert:

  • Wracktauchen: Die meisten Netze verfangen sich in Wracks, was eine ausgezeichnete Auftriebskraft und Genauigkeit erfordert.
  • Sicherheit: Das Risiko, sich für den Taucher selbst zu verfangen, ist enorm, daher ist das Vorhandensein scharfer Schneidwerkzeuge (Messer, Scheren) und eines Partners zwingend erforderlich.
  • Technik: Es werden spezielle Hebesäcke verwendet (Aufzugstasche) um die schweren, schlammigen Netze sicher an die Oberfläche zu bringen, ohne die historische Struktur des Wracks zu beschädigen.

Vom Meeresgrund bis zum neuen Teppich

Das Hervorheben ist nur die halbe Miete. Was tun mit Tonnen von stinkendem, schlamm- und bleibedecktem Netz?

  • Sortierung: Die Netze werden von Biomasse und Metallelementen gereinigt.
  • Regeneration: Innovative Unternehmen (z.B. Gesunde Meere Partner) recyceln Nylonnetze zu hochwertigem Garn.
  • Neues Leben: Aus diesem Garn werden Bademode, Socken und sogar Designerteppiche hergestellt, wodurch der Kreislauf der Kreislaufwirtschaft geschlossen wird.

Was können Sie tun?

Man muss kein technischer Tauchlehrer sein, um helfen zu können:

  1. Berichte: Wenn Sie beim Tauchen Netze sehen, notieren Sie sich die Koordinaten und melden Sie dies den zuständigen Organisationen (z. B. über die Seenotrettung). GhostDiving.org, VesalaJura.lv oder lokale Umweltverbände).
  2. Unterstützt: Spenden Sie oder beteiligen Sie sich an Kampagnen, die Schiffsmieten und Ausrüstung für Netzfangexpeditionen finanzieren.
  3. Gebildet: Wählen Sie nachhaltige Meeresfrüchte, um die Nachfrage nach industrieller Fangausrüstung zu reduzieren, die oft zu „Geisterfischereigeräten“ wird.

Gemeinsame Kollektivarbeit

Ein sauberes Meer ist keine Selbstverständlichkeit – es ist eine gemeinsame Anstrengung. Jeder Meter Netz, der aus dem Wasser gezogen wird, bedeutet gerettete Leben unter Wasser und eine sicherere Umwelt für uns alle. Die Ostsee gibt uns viel, es ist an der Zeit, ihr etwas zurückzugeben, indem wir sie von diesen stillen, synthetischen Fallen befreien.

Die Unterwasserwelt gehört den Fischen, nicht den Plastikfallen!


Daivings.lv und lokale Tauchaktivisten

DaIVINGS.LV vereint die lettische Tauchgemeinschaft, die regelmäßig ehrenamtliche Unterwasserworkshops organisiert.

Initiative: Folgen Sie den Foren und der Website. Vesalajura.lv und Facebook-Gruppen (z.B. „Tauchen in Lettland"), wo gemeinsame Fahrten zu Schiffswracks angekündigt werden, die auch das Schneiden und Einholen von Netzen beinhalten.

Internationale Partner im Baltikum

Da wir das gleiche Meer teilen, arbeiten lettische Taucher oft mit ihren Nachbarn zusammen:

Ghost Diving Foundation: Eine internationale Freiwilligen-Tauchorganisation mit Niederlassungen im Ostseeraum (z. B. in Polen und Deutschland).

Gesunde Meere: Eine Initiative, die das Recycling ausrangierter Netze zu Textilien sicherstellt.

Praktisches Hilfsmittel: Die App „Umweltwarnung“.

Wenn Sie als Taucher oder Bootsfahrer illegale oder verlassene Netze vermuten, ist die mobile App des staatlichen Umweltdienstes der schnellste Weg, die zuständigen Behörden zu informieren.

So funktioniert es: Machen Sie ein Foto, notieren Sie die GPS-Koordinaten und senden Sie einen Bericht. Dies hilft den Einsatzkräften bei der Planung zukünftiger Aufräumaktionen.

Ghost Net Reporting Protocol, ein Leitfaden für Taucher

Falls Sie beim Tauchen auf verlassene Fischernetze (Geisternetze) stoßen, befolgen Sie diesen Plan. Denken Sie daran – Ihre Sicherheit steht an erster Stelle.Das Anheben des Netzes ohne Spezialausrüstung und ein Team ist gefährlich!

Sicherheitsbewertung (Sicherheit geht vor)

  • Greife das Netzwerk nicht allein an! Wenn Sie nicht über die spezielle Ausrüstung zum Durchschneiden des Netzes verfügen, versuchen Sie nicht, es zu lösen oder abzurollen.
  • Halten Sie Abstand: Halten Sie mindestens 1-2 Meter Abstand, damit Sie nicht durch eine unerwartete Strömung oder Ihre Bewegungen ins Netz geraten.
  • Überprüfen Sie die Ausrüstung: Halten Sie ein scharfes Messer oder eine spezielle Schere bereit (EEZYCUT oder Ähnliches) an einem leicht zugänglichen Ort.

Standort

  • GPS-Koordinaten: Wenn sich das Netz an einem Wrack befindet, notieren Sie nach dem Auftauchen den Namen des Wracks oder die Koordinaten vom Echolot/GPS des Bootes.
  • Tiefe: Markieren Sie die Tiefe (in Metern), in der sich das Netz befindet (Ober- und Unterkante).
  • Beschriftung: Wenn möglich und sicher, sollte ein DSMB an das Netz angeschlossen werden, damit das Oberflächenteam den genauen Standort sehen kann (nur wenn dies die Navigation nicht beeinträchtigt).

Visuelle Dokumentation (Beweismittel)

Wenn Sie eine Unterwasserkamera besitzen, machen Sie ein paar Aufnahmen:

  • Netzwerktyp: Handelt es sich um ein feines Nylonnetz (Fischernetz) oder um eine dicke Schleppleine/ein dickes Schleppnetz?
  • Zustand: Ist es frei im Wasser schwebend (vertikal) oder eng um Trümmer/Felsen gewickelt?
  • Bewohner: Es wird erfasst, ob sich Tiere (Fische, Robben, Vögel) im Netz verfangen haben – dies hilft bei der Festlegung der Priorität für die Bergung.

Berichterstattung

Sobald Sie an Land sind, senden Sie die Daten:

  1. App „Umweltalarm“: Fügen Sie ein Foto und die Koordinaten hinzu. Diese werden an den staatlichen Umweltdienst weitergeleitet.
  2. Daivings.lv-Forum / Facebook-Gruppen: Informieren Sie Ihre Kollegen, damit auch andere Taucher in diesem Gebiet vorsichtig sind.
  3. GhostDiving.org: Wenn das Netzwerk groß ist, können Sie es der internationalen Datenbank melden, was dazu beiträgt, Gelder für Expeditionen zu sammeln.

Was gehört in einen Bericht? (Checkliste)

  • [ ] Datum und Uhrzeit
  • [ ] Exakte Koordinaten (oder Entfernung vom Ufer/Wahrzeichen)
  • [ ] Tiefe (zum Beispiel von 15 m auf 22 m)
  • [ ] Ungefähre Größe des Netzwerks (Länge/Breite in Metern)
  • [ ] Gefahrenstufe (ob es eine Gefahr für die Schifffahrt oder andere Taucher darstellt)

Tipp: Wenn Sie selbst an der Netzwerkveranstaltung teilnehmen möchten, bewerben Sie sich. Selbstversorgender Taucher oder Wracktaucher Kurse zur Verbesserung der Schwimmfähigkeit und der Fähigkeiten im Umgang mit Notfällen.